Factoring: Alles Wissenswerte über den Verkauf von Forderungen

 

Das Factoring ist eine Methode der Finanzierung, bei der ein Unternehmen seine Forderungen gegen Kunden regelmäßig an einen Dritten verkauft. Das Factoring-Institut übernimmt neben der Schuld auch das Ausfallrisiko und das Debitorenmanagement. Es gibt verschiedene Unterformen, bei der nur Teile des Factoring umgesetzt werden. Der Begriff stammt aus dem Englischen und leitet sich von der mittelalterlichen Fakturei ab. Verschiedene Schreibweisen wie Faktoring, Facturing oder auch Fakturing haben sich eingebürgert, sind jedoch nicht korrekt. Zu Deutsch kann man das Factoring auch als Forderungszession bezeichnen.

Wie funktioniert Factoring?

Echtes Factoring nennt man auch Standard-Factoring oder Full-Service-Factoring. Es bezeichnet den regelmäßigen Verkauf von Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen innerhalb eines Rahmenvertrages an ein Factoring-Institut. Dieses übernimmt das Ausfallrisiko bzw. Delkredere. Dafür erhebt es eine umsatzabhängige Gebühr. Das Unternehmen, das seine Forderung verkauft, erhält sofort 80 bis 90 % seiner Ausstände. Den Rest zahlt das Factoring-Institut, nachdem der Schuldner gezahlt hat.

Beteiligte Parteien

Beim Factoring sind drei Parteien beteiligt: Der Factor (Factoring-Institut, Zessionar), der Factoring-Kunde (Unternehmen, Zedent, Anschlusskunde) und der Schuldner (Kunde, Abnehmer, Debitor, Drittschuldner). Das Unternehmen hat einem Kunden eine Leistung erbracht. Dabei kann es sich um eine Lieferung oder eine Dienstleistung handeln. Aus dieser ergibt sich eine Forderung. Für die Verität der Forderung haftet das Unternehmen. Das bedeutet, der Factoring-Kunde garantiert, dass er dem Schuldner eine reale Leistung erbracht hat. Die Forderung verkauft das Unternehmen nun an den Factor. Das führt dazu, dass der Kunde nun dem Factoring-Institut Geld schuldet und nicht mehr dem Unternehmen, das die Leistung erbracht hat.

Merkmale des Standard-Factorings

Um von echtem Factoring sprechen zu können, müssen drei Kriterien erfüllt sein: das Delkredere, die Vorfinanzierung und die Übernahme des Debitorenmanagements. Delkredere stammt aus dem Italienischen, wo es “des Glaubens” bedeutet. Es bedeutet, dass jemand die Garantie für die Zahlungsfähigkeit eines Schuldners übernimmt. Man kann auch von einem Forderungs-Ausfallschutz sprechen. Beim Factoring übernimmt der Factor die Haftung für die Schulden, falls der Schuldner zahlungsunfähig wird. Der Factoring-Kunde erhält eine Gebühr, die von der Höhe der Schuld und der Bonität des Schuldners abhängig ist.

Außerdem zahlt der Factor dem Factoring-Kunden einen Großteil der Forderung auf der Stelle aus. Den Rest erhält der Factoring-Kunde, wenn sein Kunde gezahlt hat. Üblicherweise übernimmt der Factor außerdem das Debitorenmanagement. Das bedeutet, das Factoring-Unternehmen kümmert sich um die Debitorenbuchhaltung, führt regelmäßige Bonitätsprüfungen der Schuldner durch, kümmert sich um das Mahnwesen und Inkasso. Beim Standard-Factoring übernimmt der Factor diese Tätigkeiten langfristig und regelmäßig. Denn es besteht ein Rahmenvertrag zwischen Factor und Factoring-Kunde über den Forderungsverkauf.

Man unterscheidet offenes und stilles Factoring. Hier ist entscheidend, ob das Unternehmen seinen Kunden kommuniziert, dass es seine Forderungen an einen Factor verkauft. In diesem Fall spricht man von offenem Factoring.

Vorteile von Factoring

Das Factoring hat für Unternehmen verschiedene Vorteile. Zunächst schützt es vor Forderungsausfällen. Selbst wenn ein Schuldner insolvent wird, bekommt das Unternehmen sein Geld. Außerdem muss der Factoring-Kunde nicht auf seine Forderung warten. Den Großteil erhält er sofort vom Factor. Das steigert die Liquidität und die Eigenkapitalquote. Dadurch erhöht sich auch die Bonität des Unternehmens selbst. Das spielt zum Beispiel dann eine Rolle, wenn das Unternehmen selbst einen Bankkredit beantragen will. Außerdem kann eine Firma mit der Hilfe von Factoring Kosten einsparen. Die Gewerbesteuerlast sinkt und das Unternehmen muss keine Kapazitäten für das Debitorenmanagement aufwenden.

Unter- und Teilformen des Factorings

Es gibt verschiedene Teillösungen, die Merkmale des Factoring tragen. Beim Ausschnitts-Factoring werden nur Forderungen aus einem bestimmten Geschäftsbereich an einen Factor verkauft. Einzel-Factoring bedeutet, dass ein Unternehmen eine einzige Forderung innerhalb eines Rahmenvertrags abgibt. Auch das Fälligkeits-Factoring oder Maturity-Factoring ist eine Teillösung. Der Factoring-Kunde nimmt das Debitorenmanagement und das Delkredere in Anspruch, verzichtet aber auf die sofortige Auszahlung der Schuld. Dies nutzen Firmen mit hohem Eigenkapital. Umgekehrt gibt es auch Unternehmen, die das Delkredere und die sofortige Auszahlung nutzen, sich aber selbst um das Debitorenmanagement kümmern. Hier spricht man von Eigenservice- oder Inhouse-Factoring.

Als unechtes Factoring bezeichnet man eine Vorfinanzierung einer Forderung ohne die Übernahme des Delkredere. Das ist kein wirklicher Forderungsverkauf, sondern ein Kredit mit einer Forderung als Sicherheit. Rechtlich ist das sehr problematisch. Deshalb ist unechtes Factoring in Deutschland eher unüblich.

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