Inkasso ohne Mahnung ‒ wie kann das sein?

 

Wenn ein Verbraucher ein Schreiben eines Inkassodienstleisters bekommt, ohne vorher von seinem ursprünglichen Geschäftspartner gemahnt worden zu sein, mag das erstaunen. Viele Kunden fragen sich: Inkasso ohne Mahnung, ist das überhaupt rechtens? Die Antwort lautet: Ein Inkasso-Auftrag ohne Gläubiger-Mahnung ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

Inkasso ohne Mahnung: Wann liegt ein Inkassofall vor?

Eine unbestrittene und fällige Forderung des Gläubigers ist die einzige notwendige Voraussetzung für die Beauftragung eines Inkassounternehmens. Dem kann eine Warenlieferung oder ein Dienstvertrag vorausgegangen sein. Wenn die Rechnung fällig ist und der Kunde nicht zahlt, kann ein Unternehmen sein Forderungsmanagement an einen Dienstleister abgeben und einen Inkasso-Service beauftragen. Dieser wird den Schuldner anschreiben und ihn  über die Übergabe ins Inkasso in Kenntnis setzt.

Der Regelfall: Kein Inkasso ohne Mahnung

Normalerweise werden Inkassounternehmen erst dann beauftragt, wenn der Zahlungsverzug eingetreten ist. Dann hat der Schuldner meistens bereits eine oder mehrere Gläubiger-Mahnungen bekommen. Die erste Mahnung kann dabei auch als Zahlungserinnerung bezeichnet werden. Wichtig ist nur, dass es sich um eine eindeutige Aufforderung des Gläubigers an den Schuldner handelt, seiner Zahlungsverpflichtung nachzukommen. Ansonsten liegt eine Zahlungserinnerung ohne Rechtsfolge vor: ein höfliches Erinnerungsschreiben. In den meisten Unternehmen sind bis zu drei Gläubiger-Mahnungen üblich, bevor das Forderungsmanagement aus der Hand gegeben wird. Eine gesetzliche Verpflichtung zu diesem Vorgehen gibt es jedoch nicht.

Gewöhnlich kommt es erst dann zu einem Inkassoauftrag, wenn ein Schuldner einer offenen Forderung trotz mindestens einer Mahnung nicht nachkommen ist und auf die Anschreiben seines Gläubigers nicht reagiert hat. Spätestens mit der ersten Mahnung befindet sich der Schuldner im Verzug. Das hat verschiedene Konsequenzen, besonders in Bezug auf den Verzugsschaden.

Zahlungsverzug und Inkasso ohne Mahnung

In Zahlungsverzug kann der Schuldner auch ohne Gläubiger-Mahnung geraten. Auf der Rechnung oder der vertraglichen Vereinbarung kann bereits eine feste Zahlungsfrist oder ein fixer Zahlungstermin vereinbart sein. Wenn der Schuldner bis zu diesem Termin bzw. vor Ablauf dieser Frist nicht bezahlt hat, befindet er sich in Verzug; dazu bedarf es keiner gesonderten Zahlungserinnerung durch seinen Geschäftspartner. Die Folge kann Inkasso ohne Mahnung sein.

Des Weiteren gerät der Schuldner spätestens 30 Tage nach Erhalt der Rechnung in Verzug. Wenn nichts anderes vereinbart wurde, greift diese gesetzliche Regelung. Auch in dieser Situation kann es mit Beginn des Verzuges zum Inkasso ohne Gläubiger-Mahnung kommen. Verbraucher müssen auf diesen Umstand in der Rechnung allerdings explizit hingewiesen werden.

Wer trägt die Kosten beim Inkasso ohne Mahnung?

Für die Frage der Kostenübernahme ist nicht entscheidend, ob dem Inkasso eine Mahnung vom ursprünglichen Geschäftspartner vorausgegangen ist. Der ausschlaggebende Faktor ist vielmehr der Verzug: Befand sich der Schuldner zum Zeitpunkt des Inkassoschreibens bereits in Zahlungsverzug? Der Verzug zieht den sogenannten Verzugsschaden nach sich. Diesen muss der Schuldner seinem Gläubiger ersetzen. In diesem Rahmen müssen alle finanziellen Nachteile, die dem Gläubiger aus dem Verzug des Schuldners entstanden sind, vom Schuldner erstattet werden. Dazu zählen auch die Kosten für das Inkasso ‒ mit oder ohne Mahnung.

Was sollte man tun bei Inkasso ohne Mahnung?

Ansonsten verläuft Inkasso ohne Gläubiger-Mahnung genauso wie Inkasso mit Gläubiger-Mahnung. Nach dem ersten Schreiben des Inkassounternehmens sollte der Schuldner zunächst die gegen ihn geltend gemachte Forderung überprüfen. Es ist durchaus möglich, dass er die Rechnung bereits beglichen hat, bevor ihn das Schreiben des Inkassounternehmens erreicht hat. Auch in diesem Fall sollte er die Zahlungsaufforderung des Inkassounternehmens allerdings nicht ignorieren, sondern seinen Standpunkt telefonisch, in einem Brief oder einer E-Mail darlegen.

Ist die Forderung nach wie vor offen, sollte der Schuldner sie so schnell wie möglich begleichen und den entsprechenden Betrag an die angegebene Kontonummer überweisen.

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