Überschuldung privater Haushalte: Entstehung, Vorbeugung und Lösung der finanziellen Krise

 

Als Überschuldung privater Haushalte bezeichnet man eine krisenhafte finanzielle Situation von Privatpersonen mit so hohen Schulden, dass deren Rückzahlung zunehmend unsicher ist und sogar die Insolvenz droht. Dies betrifft Schuldner, deren Vermögen oder die Fähigkeit, aktuell und in Zukunft genug Geld zu verdienen, geringer ist als die Verbindlichkeiten aus ihren Schulden und Zinsen. Vereinfacht gesagt ist derjenige überschuldet, der mehr Schulden hat, als er in absehbarer Zeit zurückzahlen kann.

Gründe für private Überschuldung

Die Gründe für eine Überschuldung können in einem Vermögensverfall oder einem Rückgang der Einnahmen liegen. Solche Situationen entstehen oft durch Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Jobwechsel, Krankheit oder Scheidung. Wer von heute auf morgen weniger Geld verdient, kann damit oft nur schwer umgehen. In diesem Fall ist es notwendig, den eigenen Lebensstil den neuen finanziellen Möglichkeiten anzupassen. Passiert dies nicht, droht die Überschuldung. Hier spricht man auch von der bekannten Schuldenfalle: zu hohe Ausgaben stehen zu niedrigen Einnahmen gegenüber.

Von privater Überschuldung Betroffene erkennen vorhandene Risiken oft nicht oder unterschätzen diese. Immer wieder müssen Schuldnerberater feststellen, dass die Hilfesuchenden über eine mangelhafte wirtschaftliche Bildung verfügen. Konsequenzen sind ein unvorsichtiger Umgang mit Geld. Finanzielle Instrumente wie der Verbraucherkredit, Überziehungszinsen aber auch der bargeldlose Zahlungsverkehr entwickeln eine verführerische Wirkung. Wer diese Mittel nicht genau versteht, erliegt schnell der Illusion, mehr Geldmittel zur Verfügung zu haben, als es den Tatsachen entspricht. Neben einem Mangel an finanzieller Übersicht und unangemessenem Konsum spielt in manchen Fällen auch Betrug eine Rolle, wenn Kredite mit falschen Unterlagen erschlichen werden. Hier hat das Kreditinstitut keine Möglichkeit, die Ausfallwahrscheinlichkeit richtig einzuschätzen. Für Gläubiger führt Überschuldung dann oft zu einem Kreditausfall.

Haben sich Schulden angehäuft, werden diese oft verdrängt. Durch Verzugszinsen und Gebühren erhöhen sich die Schulden weiter, bis die Situation irgendwann unkontrollierbar wird. In der Eigenwahrnehmung der Schuldner spielen Schicksalsschläge wie Arbeitslosigkeit, Scheidung oder der Tod des Partners eine größere Rolle  als das Zuschnappen der Schuldenfalle und eine unwirtschaftliche Haushaltsführung. Sonderfälle sind Überschuldung durch gescheiterte Selbstständigkeiten und gescheiterte Immobilienfinanzierungen.

Tragbare Schuldenlast oder Überschuldung?

Ab wann spricht man genau von Überschuldung? Hierfür gibt es verschiedene Definitionen. Das Bundesfamilienministerium spricht von Überschuldung, wenn das „Einkommen über einen längeren Zeitraum nach Abzug der Lebenshaltungskosten trotz Reduzierung des Lebensstandards nicht zur fristgerechten Schuldentilgung ausreicht.“ Ein Richtwert ist hierbei die 20%-Marke: Sobald die monatlichen Schuldenverpflichtungen 20% des Haushaltsbruttoeinkommens überschreiten, droht eine erhöhte Überschuldungsgefahr. Bei kleineren und mittleren Einkommen sprechen manche Experten bereits ab einer monatlichen Schuldenbelastung von 10% von einer Gefährdung.

Überschuldung - was tun?

Schätzungen gehen davon aus, dass 9%-10% der Deutschen überschuldet sind. Wer sich in einer solchen Situation befindet, sollte als Erstes den Weg zur Schuldnerberatung der Kommune oder eines Wohlfahrtsverbandes suchen. Dort wird mit dem Betroffenen gemeinsam nach Mitteln und Wegen gesucht, die Situation zu bereinigen. Ein erster Schritt heraus aus der Überschuldung besteht darin, eine Übersicht über vorhandene Verpflichtungen zu gewinnen. Diesen Überblick haben viele Betroffene längst verloren.

Schuldnerberater empfehlen dringend eine Selbstauskunft bei verschiedenen Auskunfteien. Gemäß Bundesdatenschutzgesetz hat jeder Verbraucher die Möglichkeit, eine Selbstauskunft der zu ihm gespeicherten Daten und Scorewerte einzuholen, die eventuell auch an Unternehmen übermittelt werden. Einmal im Jahr ist diese Auskunft kostenlos. Auch arvato infoscore (inzwischen: arvato Financial Solutions) (in diesem Fall die infoscore Consumer Data GmbH) bietet Verbrauchern die Möglichkeit zu erfahren, welche Daten über ihre Person gespeichert sind.

Der Schuldnerberater hilft bei Überschuldung, die einzelnen Verpflichtungen zu sortieren, und nimmt anschließend Verhandlungen mit den Gläubigern auf. Eine schrittweise Abtragung der Schulden hilft in vielen Fällen, der Überschuldung Herr zu werden. In einigen Fällen bleibt allerdings nur der Weg in die Verbraucherinsolvenz. Dabei wird ein Schuldenbereinigungsplan erstellt, dem auch die Gläubiger zustimmen müssen. Nach einer Wohlverhaltensphase von 3 Jahren wird die Restschuld gestrichen. So ist dem Betroffenen ein Neuanfang möglich. Im Jahr 2011 gab es in Deutschland über 100.000 registrierte Fälle von Privatinsolvenzen. Langfristig und vorbeugend ist das einzige effiziente Mittel gegen Überschuldung privater Haushalte eine gute finanzielle Allgemeinbildung.

  • Einfache, direkte Kommunikation
  • Schnelle Problemlösung
  • Unbürokratische Abwicklung
  • Individuelle Zahlungspläne
Jetzt registrieren »

Einfach mit Ihrem Aktenzeichen einloggen und Kontakt zu unserem Kundenservice aufnehmen. Wir helfen Ihnen gern!

@:Support Formular
Bei technischen Fragen oder
Fragen zum Anmeldeprozess